Kein Anfang?

Warum nicht damit Anfangen die Realität anzuerkennen

Homöopathische Wirkung 2: Das Alles-Oder-Nichts Prinzip

Ein Kommentar

Diesmal wieder ein weniger provokanter Titel, auch wenn es ein nicht weniger provokanter Inhalt ist.
Endlich eine Fortsetzung der Reihe über die homöopathische Wirkung (hier Teil 1). Doch wie ich mit der Serie begonnen habe, fand ich das Blog „Beweisaufnahme Homöopathie„. Dort werden die Paper und sonstigen Aussagen über Homöopathie auf eine professionelle Weise zuelegt, für die ich einfach keine Zeit habe.
Trotzdem will ich jetzt endlich wieder einmal über das Thema schreiben. Denn die meisten anderen Autoren beschäftigen sich mit speziellen und wissenschaftlichen Themen. Ich dagegen eher mit Trivialitäten. (Siehe etwa hier oder hier.) Doch irgendwer muss ja auch die Drecksarbeit machen. Was ich gegen Homöopathie vorbringe ist Trivial und um es zu verstehen braucht man keine wissenschaftliche Ausbildung, nur die Bereitschaft, die eigene Meinung zu hinterfragen. Nichts davon ist sonderlich neu und der „erfahrene Skeptiker“ wird sicher nicht davon überrascht sein. Trotzdem habe ich das was jetzt kommt nie so deutlich gehört. Darum habe ich mich dazu entschlossen es endlich einmal auszusprechen, selbst wenn das was jetzt kommt scheinbar gegen die wissenschaftliche Methode ist, die ich ja so hoch halte.


Um es klar zu machen will ich mal mit dem Status quo beginnen.
Die Wissenschaftler sehen die derzeitigen Ergebnisse als Bestätigung an, dass Homöopathie wirkungslos ist. Die Antiwissenschaftler dagegen behaupten, dass es zu viele positive Studien gibt, um Homöopathie als nicht funktionierend abzutun. Daraus schließen sie, dass man solange nichts genaueres bekannt ist, einfach mit Homöopathie so weitermachen soll wie bisher. Immerhin zeigt sich ja Wirkung. Das dies noch viel widerlicher ist, als die widerlichen Praktiken der Pharmaindustrie habe ich erst vor kurzem hier besprochen.
Von der Studienlage ist es so, dass es bereits sehr viele Studien zum Thema gibt. Die meisten sind negativ, und bei den restlichen ist die Signifikanz nieder und sie zeigen schwache Effekte. Was bisher fehlt sind vernünftige Studien mit starken Effekten und einer großen Sicherheit. Dass das genau der Fall ist, wenn Homöopathie nicht wirkt habe ich in Station 6 des „Homöopathischen Spaziergang Teil 1, Teil 2“ geschrieben. Das ändert sich auch nicht, wenn man den Homöopathen recht gibt, dass weit mehr als 5% der Studien signifikant sind. Lassen wir es 30% sein. Es ändert sich nichts. Die Zusammenfassung ist negativ. Aber es kommt noch schlimmer. Der Zustand der gar nicht so schlecht zu sein scheint für die Homöopathen, denn ja es gibt mehr signifikante Studien als man naiv erwarten würde, zeigt deutlich das Homöopathie nicht wirkt und nicht funktioniert.
Denn es gilt für die Homöopathie eine Umkehrung der Beweislast. Wenn nicht (nahezu) alle Studien starke Effekte zeigen UND stark Signifikant sind, dann kann man Homöopathie vergessen. Es gilt eben Alles-Oder-Nichts.
Damit es jetzt nicht heißt ich behaupte das nur, weil ich zur bösen Pharmamafia gehöre (naja das werden manche vielleicht trotzdem denken) möchte ich noch einmal erklären warum.
Der Grund warum das so ist liegt einfach daran, dass es keinen Grund gibt, warum Homöopathie wirken sollte. Außer natürlich die Wünsche derer, die ihre Hoffnung daraus ziehen, oder ihr Einkommen. Die Bestätigung der Homöopathie ist die Homöopathie selber, es gibt keine unabhängige Bestätigung, keine Theorie, die homöopathische Effekte vorhersagt. In der Pharmazie ist das anders. Es gibt keinen Grund, warum Medikamente nicht wirksam sein sollten. Denn Chemikalien, und nichts anderes sind Medikamente, haben Wirkung auf andere Stoffe und natürlich auch auf den Menschen. Ob das Nahrung ist, Benzin in Autos, Schlangengift, … , all unsere alltägliche Erfahrung zeigt uns, dass das so ist. Wir haben auch eine gute Theorie dazu und die nennen wir einfach als Zusammenfassung Chemie.
Diese Theorie sagt uns eben, dass Medikamente wirken können, Homöopathika aber nicht. Der Nachweis dafür ist so etwas exotisches wie unsere alltägliche Erfahrung.
Damit das klar ist, im Grunde ist das natürlich kein Problem. Warum sollte es denn nichts geben, dass unserer Theorie widersprechen? Natürlich könnte es es so sein, doch auf die Homöopathie trifft das nicht zu. Dafür gibt es zwei Gründe, zuerst der theoretische.
Nachdem es keine Theorie dafür gibt, gilt eben der Umstand das in einer Studie nicht nur ein homöopathisches Mittel untersucht wird, sondern die ganze Homöopathie. Wenn die Ergebnisse immer so knapp an der Wahrnehmungsgrenze liegen, und das tun sie, dann kann ist das Ergebnis vergessen. Damit ist die Homöopathie zu vergessen. 
Womit ich auch schon beim praktischen Grund bin. Homöopathie ist keine abgefahrene neue Sache wie Dunkle Materie, das Higgsteilchen oder Gravitationswellen. Klar für die letzteren Dinge brauche ich extremere Methoden und Geräte, hey aber Homöopathie spielt da in einer ganz anderen Liga. Die Methode wurde vor 200 Jahren erfunden und ist megaprimitiv in der Anwendung. Wenn ich mit den heutigen Methoden Homöopathie nicht nachweisen kann, dann kann ich sie schon gar nicht ANWENDEN. Klar? Wer also behauptet das wir einfach nur noch nicht in der Lage sind Homöopathie zu beweisen, der behauptet in Wirklichkeit, dass Hahnemann vor 200 Jahren gar nicht in der Lage gewesen sein kann die Homöopathie zu entdecken.
Also entweder sind wir in der Lage Homöopathie nachzuweisen und da das nicht der Fall ist, gibt es eben keine Homöopathie.
Oder wir können Homöopathie nicht nachweisen, dann sind Homöopathen heute auch nicht in der Lage sie anzuwenden und Hahnemann war auch nicht in der Lage sie zu entdecken. Auch so können wir Homöopathie vergessen.
Da hilft es auch nicht, wenn man versucht zu sagen wir müssen kleine Änderungen vornehmen, denn entweder ist es keine Homöopathie oder heutige Homöopathen können Homöopathie noch gar nicht anwenden. Damit bleibt es dabei, Homöopathie ist eine Luftnummer, die alleine dem Profit und dem Ehrgeiz der Homöopathen dient auf Kosten der „Gläubigen“

Also die Welt wird keine Scheibe, egal wie sehr ich es mir wünsche. Ebenso wirkt Homöopathie nicht, egal wie sehr ich es mir wünsche.

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Ein Kommentar zu “Homöopathische Wirkung 2: Das Alles-Oder-Nichts Prinzip

  1. Im Grunde völlig richtig, nur nicht neu, denn genau deswegen plädiert Christian Weymayr, Autor von Die Homöopathie-Lüge , schon längst für eine „Scientabilität“:
    http://de.encyclopaedia.wikia.com/wiki/Scientabilit%C3%A4t

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